8.6.05

ich finde altes gut.

vorgestern habe ich mein schönes neues altes peugeot (s.u.) zum wiederaufpäppeln gebracht, und zwar zur fahrradwerkstatt vom recyclingzentrum. zähneknirschend mußte ich mir eingestehen, daß der fahrradsommer schon wieder vorbei sein wird, bis ich das fahrrad-abc gut genug gelernt habe.
am wochenende hatte ich zwei fahrradhändler konsultiert, um sie um einen kostenvoranschlag bzw. eine 'was-ist-wirklich-kaputt-und-was-zu-tun'-liste zu bitten. der erste händler war mir unsymphatisch, schon am telefon merkte man ihm an, daß er mich und mein rad am liebsten gar nicht erst sehen wollte, dessenungeachtet ich mit ebendem peugeot hinfuhr, um von ihm zu hören, daß sich all das nicht lohnen würde, er mit leuten wie mir keinen heller verdient und warum ich mir denn kein neues rad kaufen würde für das geld. (nebenbei bemerkt: heutzutage kriegt man für die veranschlagten 250e doch überhaupt kein ordentliches rad mehr). immerhin, eine liste sagte er mir auf.
beim zweiten händler immerhin sagte mir der werkstattmensch, er verstünde sehr wohl, daß ich das fahrrad gern wieder verkehrstauglich hätte, allein, er könnte mir keine genauen kosten weissagen, nur '250e aufwärts', und es wäre wohl am klügsten, einen freizeitschrauber damit zu beauftragen.

ich kam mir irgendwie seltsam vor, mit meinem hang zu altem und leicht angeschlagenem und dessen wieder in gebrauch nehmen wollen. ich habe schon in und seit rostock immer die unsanierten wohnungen und häuser den blitzblanken vorgezogen.
nachgerade wütend gemacht hat mich der gedanke, daß es sich 'nicht lohnen' soll, ein altes fahrrad wieder gebrauchsfähig zu machen. ich verstehe die sichtweise des ersten fahrradhändlers, eines unternehmers, der unter 'lohn' in erster linie 'geld' versteht. der zweite händler, bzw. dessen werkstattmensch hatte immerhin echte empathie für ein anderes verständnis von 'lohn' oder 'gewinn'. es verstand sich ja von selbst, daß meine motivation nostalgischer natur ist, konservativ, sozusagen; daß mein 'gewinn' an der reparatur schlicht wäre, daß das fahrrad wieder in benutzung ist, und ein so schöner rahmen nicht einfach im schrott landet, weil man heutzutage ein bißchen mühe bei der ersatzteilesuche scheut.
muß immer alles nach den neuesten standards sein/funktionieren? man kommt mit dem updaten gar nicht mehr nach, wenn man ein normales leben führt. für alles gibt es spezielle geräte, und diese geräte haben obendrein zig zusatzfunktionen, und sie zu warten, wenn ein fehler auftritt, 'lohnt sich gar nicht mehr', weil es zum reparaturpreis schon ein viel leistungsfähigeres gerät gibt. trotzdem scheint die qualität nachzulassen. die benutzungszeit reicht nicht aus, um eine beziehung zu dem gerät aufzubauen. eine beziehung zum funktionierenden gerät, zum qualitätsprodukt, zum ehemals handwerklichen produkt, zum nachvollziehbaren herstellungsprozeß, endlich zur arbeit.
ich freue mich sehr darauf, mein neues altes rad im juli zu fahren und bedaure aufrichtig, daß nicht ich diejenige bin, die die arbeit in die reparatur steckt.

1 Comments:

Blogger Kirsi said...

ich auch!

18.6.05  

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